Treten sie einfach ein und ....
   
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Der Wunschzettel

Die Kinder der Zweibeiner schreiben, wenn sie noch klein sind, einen Wunschzettel an das Christkind, damit dieses auch weiß, was sie gerne unter dem Weihnachtsbaum finden möchten. Viele wünschen sich dabei materielle Dinge, aber auch ein Brüderchen oder ein Schwesterchen. Ein schöne Sitte, manchmal aber auch von Enttäuschung geprägt, weil das Erwartete dann doch nicht mit Schleifchen und schönem Papier geschmückt vor glänzenden Kinderaugen liegt. So habe ich mir überlegt, auch einen Wunschzettel zu verfassen, wohl wissend, dass nicht alle meine Wünsche in Erfüllung gehen werden.
Ich wünsche mir Worte, wenn Sprachlosigkeit herrscht.

Ich wünsche mir Licht, wenn Dunkelheit regiert.
Ich wünsche mir Stille, wenn Lärm bestimmt.
Ich wünsche mir Mut, wenn Zaghaftigkeit leitet.
Ich wünsche mir Erkenntnis, wenn Zweifel kommandiert.
Ich wünsche mir Wärme, wenn Kälte lenkt.
Ich wünsche mir Toleranz, wenn Egoismus steuert.
Ich wünsche mir Größe, wenn Kleinmut dirigiert.
Ich wünsche mir Stil, wenn Geschmacklosigkeit gängelt.
Ich wünsche mir Fülle, wenn Leere verwaltet.


Und gleichgültig, ob meine Wünsche erfüllt werden und von wem auch immer, ich sie geäußert und so mir selbst den ersten Wunsch erfüllt.

Ich fand und nutzte Worte.

Ihr Moritz von und zu Blaustein


(Auszug aus: Die andere Sicht des Alltäglichen - Kalendergeschichten - Joachim Dorn - erste Auflage, April 2014 - Selbstverlag)

 

 
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